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Schlussbericht Dresden 2008 Drucken E-Mail
Verschiedenes ( Dies und das ) - Schacholympiade 2008 mit unserem Verein?
Geschrieben von Michael   
Dienstag, 18. November 2008
Von einem tollen (Schach)Wochenende, einer schönen Stadt und Mehdorn'schen Steinen auf dem Weg nach Sachsen:
Unsere Fahrt zur Schacholympiade 2008 in Dresden

Bilder in unserer Fotogalerie

Nachdem vor ca. 2 Jahren bei mir die Idee reifte, dass Mitglieder unseres Vereins doch zur Schacholympiade nach Dresden fahren könnten, haben damals 18 Meldungen für eine Teilnahme vorgelegen. Als Termin legten wir den 14.-16.11.2008 fest. Am Abreisetag waren wir dann noch zu zehnt (Michael Falter und Frau, Michael Fischer mit Frau und den beiden Töchtern Ronja und Anna, Klaus Overhoff, als Gäste Dr. Reinhard Falkenstein und Frau, und ich selbst).  

Die Vorbereitungen begannen mit der Quartiersuche. In Frage kam dabei nur ein Hotel, das zentral - also nicht zu weit vom Internationalen Congress-Center (ICC) , dem Austragungsort der Olympiade - lag, und trotzdem bezahlbar sein musste. In Dresden ist das nicht so ganz einfach! Ich entschied mich für eines der drei ibis-Hotels in der Prager Straße. Das Hotel „Bastei" befindet sich
Klaus freut sich auf die kommenden Tage
nicht weit vom Hbf. Dresden entfernt (ca. 400 m) und zum ICC läuft man von da aus rund 20 Minuten. Der Standard dieser Hotelkette war mir von einem Aufenthalt in Osnabrück bekannt. Wir wurden nicht enttäuscht. Die Zimmer sind geräumig und sehr gut ausgestattet; das Frühstücksbuffet konnte sich wirklich sehen lassen (fragt mal Klaus), und das Personal war zuvorkommend - kurz: wir fühlten uns sehr gut aufgehoben.

Der andere Partner bei der Reise, die Bahn AG, hatte ausgerechnet in dem Zeitraum unserer Fahrt mit den allen bekannten Achsen-Schwierigkeiten bei seinen ICE-Zügen zu kämpfen. Und das bekamen wir deutlich zu spüren. Gehen wir dabei nicht zu sehr ins Detail, nur so viel: Die Bahn AG hat sich nicht als fähig erwiesen, diese Krisensituation im Interesse ihrer Kunden zu bewältigen.

Ein Beispiel: Bei der Rückfahrt, vor allem auf dem Teilstück zwischen Leipzig und Frankfurt/Main, musste man sich so zeitig auf den Weg zum WC begeben (obwohl noch gar kein Grund dafür zu spüren war), dass man - wenn es nötig wurde - auch rechtzeitig dort ankam. Es war einfach eine Katastrophe! Man konnte sich nur bewegen, wenn man über Menschenberge stieg! Grund dafür war, dass der Ersatzzug, der uns in Leipzig aufnehmen sollte, bereits voll war, als unser Zug aus Dresden (ebenfalls schon überfüllt) in diesen Zug noch „untergebracht" werden musste.
Rudi und Frau hatten kurzfristig, nachdem die DB unsere Platzreservierungen absagte und damit fast klar war dass  die Bahnfahrt, immerhin jeweils 5-6 Stunden, wohl unter dem Motto „Lieber schlecht gefahren als gut gelaufen"   stand, die Notbremse gezogen und waren zu  Hause geblieben. Eine weise Entscheidung

Dass der Gesamteindruck dieser Reise für uns aber trotzdem sehr positiv verlief, ist Ausdruck dafür, wie gut es uns allen in der sächsischen Landeshauptstadt gefallen hat!

1. Tag:
Wir trafen uns um 7.45 Uhr in der Halle des Hbf., um genügend Zeit bis zur Abfahrt um 8.12 Uhr zu haben. Ungewöhnlich für Schachspieler: alle waren pünktlich. Es geht doch! Der Zug nach Frankfurt kam von Saarbrücken, und wir hatten alle Sitzplätze bekommen, vor allem auch beieinander (wegen des Gruppenerlebnisses). Das war auch die einzige Teilstrecke, wo das klappte.

Von Frankfurt nach Leipzig mussten sich Michael Fischer und ich größtenteils mit einem Stehplatz begnügen. Erst kurz bevor wir in Leipzig eintrafen konnten wir uns setzen. Bemerkenswert, wie Anna (3 Jahre und ein „Quirl") die lange Fahrt bewältigte; sie war der Star unserer Gruppe, und sorgte so richtig für Stimmung. Ab Leipzig begannen wir dann alle ungewollt mit dem Training für unsere Beinmuskeln, da wir in Dresden alle Strecken laufen wollten - wir „durften" mit Stehplätzen vorlieb nehmen.

Es war schon fast ein kleines Wunder, dass der Zug relativ pünktlich in Dresden am Hbf. eintraf. Auf dem kurzen Weg zum Hotel wurden noch schnell ein paar Stadtpläne, die es in der Touristikinfo kostenlos gab, eingesteckt. Dann waren wir am Ziel. Beim Einchecken dann die gute Nachricht: Unsere Zimmerpreise waren für alle um ca. 20,-- € geringer als vorher vereinbart. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, ging es dann auf in Richtung ICC. Natürlich waren nicht alle von uns Schachfans; während wir Männer also „den großen Schachduft" schnuppern gingen, machten die Frauen einen ersten Bummel durch die historische Altstadt (außer Ulrike, sie ging mit zum Schach) und einen Besuch in der Frauenkirche.

Wir verabredeten uns um 18.30 Uhr vor dem Standbild von König Johann auf dem Theaterplatz. König Johann vor der Semperoper Im ICC hatten wir dann die versammelte Weltspitze vor uns ausgebreitet (von den 32 Besten waren 28 anwesend). Der Eintritt am ersten Tag wurde vom Verein übernommen. Aber so richtig nahe (hinter die Absperrungen) schienen wir nicht zu kommen; überall wurde man an den Abgängen zur Halle (höflich) auf Distanz gehalten. Klaus ist es zu danken, dass wir schließlich doch eine Lücke fanden, und uns unter die Mannschaftsbetreuer mischen konnten. Der größte Andrang fand am Brett von Wladimir Kramnik statt, aber auch unsere Nationalmannschaften waren ein Anziehungsmagnet. Wer sich kompetente Einblicke in die laufenden Partien holen wollte, ging in den Analyse-Trakt, wo GM Bischoff sehr kompetent, und wenn nötig auch humorvoll, die einzelnen Partien kommentierte. Er tat das im Wechsel mit Susa Polgar. Der Andrang dort war enorm.

Nach ca. 2½ Stunden rissen wir uns von dem Spektakel los, schließlich wollten wir den Teil unserer Gruppe, der dem Schach „neutral" gegenüberstand, nicht verärgern.

Zum Abendessen gingen wir dann in die Münzgasse , eine der ältesten Straßen Dresdens (es gibt sie seit 1550), und dort ins „Applaus". Das Essen war zwar gut - aber doch etwas teuer. Zu späterer Zeit kam noch mein Neffe mit Frau dazu, da ich sonst keine Gelegenheit gehabt hätte, ihnen in den drei Tagen zu begegnen.
Gute, aber teure Stärkung nach dem langen Tag
Am Abend kaufte unser Verein dann im Hotel noch eine Internet - verbindung für 8,-- € und für 24 Std. (reine Zeit), so dass Michael und ich bis spät nach Mitternacht ganz aktuell die Daheim - gebliebenen auf der Vereins-Website über unsere Reise informieren konnten.

2. Tag:
Noch bevor die übrigen aus ihren Federn krochen, war ich auf dem Bahnhof, um unsere Rückfahrt festzulegen. Am Vormittag stand der Rundgang durch die historische Altstadt auf dem Programm. Ich hoffe, dass meine Erläuterungen zu einigen wissenswerten Dingen gut aufgenommen wurden, denn nur Frau Falter hatte einige Zwischen- und Nachfragen; dafür vielen Dank!
  Dresden's alter und neuer Stolz
Wir begannen am Altmarkt, besuchten dann die Kreuzkirche, und kamen zu Dresdens Wahrzeichen Nr. 1: die Frauenkirche. Sie wurde zwischen 1993 und 2006 wieder aufgebaut, und posiert nun auf dem inzwischen ebenfalls renovierten Neumarkt, von ihrem ursprünglichen Ambiente umgeben, über der Stadt. Die Teilnehmer gingen in die Kirche, während ich in dieser Zeit bei Anna die Babysitterrolle übernahm. Danach kamen wir zum Stadtschloss der Wettiner, wo die Hauptattraktion an der Außenfassade der „Fürstenzug" ist (neben dem Georgentor). Am Schlossplatz befindet sich die kath. Hofkirche, zu der es weitere Informationen gab; genauso wie zur Brühlschen Terrasse (benannt nach dem sächsischen Staatsminister Graf Brühl), dem „Balkon Europas", wie sie Napoleon I. 1812 genannt hatte. Anschließend führte uns unser Rundgang zum Theaterplatz, auf dem neben der kath. Hofkirche, dem Schloss, dem Taschenbergpalais, der Altstädter Wache, der Gemäldegalerie vor allem die Semper-Oper steht. Dieser Musiktempel gehört zu den Top's der internationalen Opernhäuser. Zum Abschluss ging es zum Zwinger, dem Festspielplatz der sächsischen Kurfürsten.

Nachdem die Führung beendet war, ging es zum gemeinsamen Kaffeetrinken, und anschließend trennten wir uns wieder: Schach, eine Führung in der Semperoper und Shopping standen alternativ auf dem Programm.
Frank, Dresdenkenner und unser Stadtführer
Wir im ICC konnten dann eine Reihe von Schach-VIP's bei ihrer „Arbeit" beobachten. Peter Leko, Judith Polgar, Viktor Kortschnoi, natürlich Kramnik und seine russische Mannschaft (u.a. mit Peter Svidler), Shirov (der für Spanien spielt),  selbstverständlich auch die deutschen Spieler und Spielerinnen ... und, und, und.

Als uns die Köpfe rauchten, gingen wir dann wieder zum vereinbarten Treffpunkt. Diesmal hatten die Frauen das Lokal zum Abendessen ausgesucht. Es war das Sächsisch-Böhmische Brauhaus „Altmarktkeller". Eine sehr gute Wahl! Hier passte Essen und Preis sehr gut zueinander - und wir stellten fest, es muss nicht immer der Grieche oder der Italiener sein; die deutsche Küche hat durchaus ihre Reize. Allerdings war die Livemusik etwas laut; und „humbta, humbta, tätärä" ist auch nicht jedermanns Sache. Ich schätze, dass ca. 75 % der geführten Gespräche dabei untergingen ... Aber gut - man kann nicht alles haben. Da leuchten die Augen (-: Anna - sie wurde von allen verwöhnt - bekam vom Haus zum Trost eine Puppe geschenkt, nachdem direkt vor ihrer Nase ihr Luftballon platzte - man kann sich vorstellen, wie erschrocken sie war. In der Nacht dann wieder das Treffen in Michaels Appartement - und ab ins Internet.

3. Tag:
Der Tag der Abreise.

Ich hatte ein Pflichtprogramm vor mir, da ja bekanntlich mein Bruder in Dresden wohnt. Alle anderen Gruppenmitglieder konnten den Tag nach ihren eigenen Vorstellungen nutzen - die Glücklichen ...
Altar der Frauenkirche, darüber das "Auge Gottes"
An diesem Tag begann vormittags auch der Deutschland-Cup. Viele, wirklich viele Bekannte aus Baden traf ich dort (und auch in der Stadt), so dass ich vom Spielgeschehen nichts mitbekam. Ansonsten gingen einige ins Schloss, wo das „Grüne Gewölbe" auf sie wartete. Das Grüne Gewölbe war damals die erste Kunstausstellung in Europa, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Was nützten alle Reichtümer, wenn man damit nicht vor den anderen europäischen Höfen prahlen konnte. Andere wiederum nahmen noch einmal das Flair der Stadt bei einem Gang durch die Innenstadt auf. Wichtig war nur, dass sich alle zwischen 15.00 und 15.15 Uhr rechtzeitig wieder im Hotel zur Abreise einfanden. Wie nervös ich werden kann wenn jemand fehlt, können alle bezeugen, die mich als Mannschaftsführer kennen. Aber auch das klappte wieder.  Alles prima ... Was uns noch auf der Fahrt zurück erwarten sollte, konnten wir ja nicht ahnen.

Die einzige, die das offenbar überhaupt nicht störte, war Anna. Mit einem „Quer-durchs-Beet" aller ihr aus dem Kindergarten bekannten Lieder (untergebracht in einer einzigen Melodie: „Jingle bells, jingle bells, jingle all the way ...") unterhielt sie die Fahrgäste.

Mit ca. 25 Minuten Verspätung kamen wir schließlich in Mannheim an.

Ich glaube, alle haben in dieser Nacht wunderbar geschlafen.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei allen Fahrtteilnehmern herzlich bedanken für die gute Stimmung, die alle einbrachten. Mir hat es mit Euch Spaß gemacht! Ähnliche oder auch andere Unternehmen außerhalb des Spielbetriebs haben damit ihre Feuertaufe (nach der Wanderung am 9.11.) erneut bestanden. Wir machen Fortschritte ...

Frank Schmidt,Michael Fischer

 

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Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 19. November 2008 )
 
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